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Die folgenden Sagen wurden aus "Schabbock, Hex´und Kruzitürken" von Peter Stelzl (Eine Sagen- und Geschichtenreise durch den Bezirk Radkersburg) entnommen.
Die Sage vom Schloss Oberrakitsch
Um sich gegen die aus Osten einfallenden Feindesscharen zu schützen, wurden im heutigen Bezirk Radkersburg viele Wehranlagen erbaut. Viele dieser Burgen, Wasserburgen und Schlösser wurden zerstört. Aber viele Sagen und sagenhafte Geschichten sind in Erinnerung geblieben, und der Volksmund weiß noch heute davon zu erzählen.
Vom ehemaligen Schloss Oberrakitsch, einst eine wehrhafte Wasserburg, ist nichts mehr erhalten geblieben. Das mächtige Schloss, das einst durch einen unterirdischen Gang mit Brunnsee verbunden gewesen sein soll, war im Besitz reicher Ritter. Als wieder einmal Feinde heranzogen, versteckten sie ihre wertvollen Schätze in einer unterirdischen Kammer, um sie dem Zugriff der plündernden Feindscharen zu entziehen. Das wertvollste Stück, ein schweres goldenes Kalb, wurde von den Dienern ebenfalls in dieser unterirdischen Kammer versteckt. Viele, viele Jahre nach der Zerstörung der Wasserburg erinnerten sich junge Burschen an diese unterirdische Schatzkammer. So mancher versuchte sich in Vollmondnächten als Schatzgräber. Doch keiner fand den unterirdischen Gang oder den Eingang zur Schatzkammer und musste enttäuscht den Heimweg antreten. So werden wohl die Schätze und das goldene Kalb noch immer unter den Feldern und Wiesen liegen und warten, bis sie vielleicht doch noch eines Tages von einem Glücklichen gehoben werden.
Von der Schlange im Schwabenteich
Eine Sage berichtet, dass eine unchristliche und habsüchtige Rittersfrau nach dem Tode von Gott dadurch bestraft wurde, als riesige Schlange im sogenannten Schwabenteich zu leben.
Sie müsse immer einen goldenen Schlüssel im Maul tragen. Erst wenn sich ein mutiger Bursche fände, der ihr den Schlüssel aus dem Maul entreiße, könnte sie erlöst werden. Mit dem Schlüssel könne der Bursche dann den Eingang zur unterirdischen Schatzkammer finden, die Schätze heben und ein steinreicher Mann werden.
Aber so sehr sich tapfere Burschen vornahmen, die Schlange zu finden und ihr den Schlüssel aus dem Maul zu entreißen, so sehr verließ sie beim Anblick des Untieres der Mut, und die Burschen liefen, so schnell sie nur konnten, in das Dorf zurück.
Vom unterirdischen Schatz
Eine andere Sage erzählt: Vor langer Zeit, als die Schlösser Obermureck, Weitersfeld, Brunnsee, Weinburg und Oberrakitsch durch einen unterirdischen Gang verbunden waren, lebte im Schloß Oberrakitsch ein reicher Graf...
In der Nähe befand sich ein Anwesen, das sich "Beim Schwaben" nannte. Dort lebte ein Raubritter von der übelsten Sorte. Dieser beraubte auch die umliegenden Bauern und brachte einen Großteil der Beute ins Schloss, um sich die Gunst des Grafen zu sichern. Einerseits standen ihm die Bauern in Ehrfurcht zu Diensten, andererseits vermuteten sie, dass hinter den Raubzügen der adelige Herr selbst stand. Der Schlossherr wurde immer reicher und reicher und so erwarb er Gold, Silber und Edelsteine in großen Mengen, welche er in einer kupfernen Kiste mit goldenen Beschlägen aufbewahrte.
Aus Angst lagerte er diese Kiste in einer kleinen Seitennische des unterirdischen Ganges. Täglich sperrte der Graf die Kiste auf und zu, um sich dabei zu überzeugen, dass wohl nichts fehle. Eines Tages kam dem Manne der Schlüssel abhanden. Auch die Bittgebete zum heiligen Antonius halfen nichts. Der Schlüssel blieb unauffindbar.
Es trug sich zu, dass Untertanen im Auftrag des Grafen einen riesigen Teich ausheben mussten. Anschließend hoben sie einen vierzig Fuß breiten und tiefen Graben um das Schloss aus, der durch einen Teichzufluss mit Wasser gefüllt wurde. Mächtige Zugbrücken wurden errichtet. Die Bauern, die bei der Errichtung des Teiches helfen mussten, sahen in Vollmondnächten des öfteren einen blauen Schein über dem Wasser. Sie wurden neugierig und fuhren in einer Vollmondnacht mit einem kleinen Boot dem blauen Schein entgegen.
Als sie näher kamen, sahen sie eine bläuliche Schlange, deren großer Kopf mannshoch aus dem Wasser ragte. Im Schlagenmaul sahen sie den goldenen Schlüssel, den der Graf seinerzeit verloren hatte.
Als die Schlange die Männer erblickte, spie sie den goldenen Schlüssel im weiten Bogen aus, der rasch im tiefen Wasser versank. Mit menschlicher Stimme sprach die Schlange: "Wer den Schlüssel findet, kann einen Schatz heben und ihn sein Eigen nennen."
Dann verschwand die Schlange und wurde nie mehr gesehen. Als der Graf davon in Kenntnis gesetzt wurde, ließen seine Lebensgeister nach und bald verstarb er, ohne zu verraten, wo sich die Schatztruhe befindet. Die einst wehrhafte Wasserburg zerfiel und der Schatz wartet heute noch darauf, gehoben zu werden.
Das Nachtahnl schlug einen Knecht
Vom Nachtahnl wussten die Leute zu erzählen, dass es Finger hätte, die hart wie Eisen wären. Ein Knecht, der furchtlos war und nur lachte, wenn andere vom Nachtahnl erzählten, erlebte seine Wunder. Als er bei der Dorfschwemme vorbeikam und eine ihm unbekannte Wäscherin unfreundlich ansprach, stand das Nachtahnl plötzlich vor ihm und gab dem Burschen eine kräftige Ohrfeige.
"Jetzt glaubst wohl, dass es mi gibt!" kreischte die Alte noch, ehe sie in die Nacht verschwand. Tage lang spürte der Knecht die eisernen Finger des Nachtahnls im Gesicht und musste obendrein auch noch den Spott seiner Mitmenschen ertragen.
Wie das Nachtahnl drei Burschen erschreckte
In Ober- und Unterrakitsch wurde das Nachtahnl des öfteren gesehen. Es trieb allerlei Schabernack. Einmal wanderten drei Burschen von einer Tanzunterhaltung zu mitternächtlicher Stunde nach Hause. Sie waren gut aufgelegt, lachten und jauchzten durch die Gegend.
Als sie zu einem Mühlbach kamen, stieg das Nachtahnl plötzlich aus dem Mühlbach heraus. Die drei Burschen erschraken derart, dass sie schnell wie der Blitz davonliefen und auf einer nahen Wiese auf einem Heuschober Unterschlupf suchten, wobei aber ihre Beine unbedeckt blieben.
Das Nachtahnl kam vorbei, lachte laut auf und schrie: "Sechs Haxn und ka Kopf! Das muass i meiner Urahnl schnell erzöhln!" Das Nachtahnl verschwand darauf wieder im Mühlbach. Lange getrauten sich die Burschen nicht aus dem Heuschober heraus. Sie waren heilfroh, dass ihnen das Nachtahnl kein Leid angetan hatte und dass sie dieses Zusammentreffen ohne Schaden überstanden hatten.
Das Rainmännlein von Unterrakitsch
Einst lebte in Unterrakitsch (heute Eichfeld) ein reicher, sehr habsüchtiger Bauer, der nie genug Grund haben konnte und ein rechter "Roanschinder" war. Er benützte jede Gelegenheit, von den Nachbarfeldern immer wieder eine Furche wegzubauen. So vergrößerte der Unterrakitscher auf unredliche Art seine Grundstücke. Die Dorfbewohner verachteten ihn.
An Sonn- und Feiertagen saß der Mann lieber im Gasthaus als der Messe beizuwohnen und prahlte dort mit seinem Reichtum. Als er verstarb, trauerte keiner dem Geizhals nach. Wenige Wochen später sahen in einer finsteren Spätherbstnacht mehrere Dorfbewohner den Verstorbenen als geisterhaftes Roanmännlein auf den Feldern herumhüpfen. Es bemühte sich, die den Nachbarn einst weggebaute Erde mit seinen Händen den rechtmäßigen Besitzern zurückzutragen. Dabei stöhnte und jammerte das Männlein: "Schwer is, schwer is, ganz schwer is!" Ein Fuhrmann aus der Murecker Gegend kam zufällig des Weges, hörte die Klagen, drehte sich um und rief mitleidig dem Männlein zu: "Is schua gnua, is schua gnua!" Da verschwand das Rainmännlein und hat sich seither nie mehr gezeigt. Der gutmütige Fuhrmann hatte den ruhelosen Toten durch seinen Zuruf erlöst.
Das Nachtahnl bestrafte einen Neugierigen
Es war schon vor sehr langer Zeit. Ein Bauer, der sein Lebtag lang neugierig war, ging in einer finsteren Nacht bei der sogenannten Dorfschwemme vorbei. Da sah er eine Gestalt beim Wäsche waschen. Neugierig wie er war, hielt er Nachschau und rief der vermeintlich fleißigen Wäscherin herzlich "Guten Abend" zu.
Als er aber niemanden sah, wunderte sich der Bauer. Doch plötzlich erhielt er von einer hässlichen Frau, der die grauen Haarsträhnen wild ins Gesicht hingen, mit einem nassen Fetzen einen heftigen Schlag ins Gesicht. Die Alte kreischte dabei ganz fürchterlich. Der Mann sprang zurück auf die Straße und lief, so schnell er nur konnte, in Richtung Brunnsee.
Die Alte, es war das Nachtahnl, folgte ihm auf den Fersen. Atemlos erreichte er sein Haus und war gerettet. Zur Dorfschwemme ging der neugierige Bauer nie mehr.
Von den Irrlichtern
Früher gab es im Bezirk Radkersburg viele sumpfige Wieen. Auch die verschiedenen Bäche hatten oft tiefe Seitenarme und Lahnen.
In diesen Gegenden, und auch in der Nähe der vielen Teichen, wurden von den Bewohnern sehr oft sogenannte Irrlichter gesehen. Groß wie Kerzenflammen tanzten diese mit bläuchlichem Schein über die Sumpfgebiete, über die zahlreichen Teiche und Bäche.
Niemand getraute sich zu den Irrlichtern. Die Menschen waren fest davon überzeugt, dass die wandernden Lichter die Seelen der Ungetauften sind, die heute noch auf ihre Erlösung warten.
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